Also, ja, zur Consulta Popular noch. Wenn wir uns zurück erinnern, vor ein paar Wochen hab ich ja über die Reiberein im Congreso wegen einem Haufen Abgeordneter, die gegen die Durchführug der Volksbefragung über eine Verfassungsgebende Versammlung gestimmt haben, geschrieben. In Ausläufern dauern diese Reiberein immer noch an (von wegen ob diese Abgeordneten jetzt von rechts wegen gefeuert sind, ob ihre ursprünglich ernannten Vertreter oder ganz andere statt ihnen im Congreso sitzen werden, usw.), die Volksabstimmung (oder: Consulta Popular) wurde jedenfalls auf Schiene gebracht und findet - manche Dinge geschehen selbst in Ecuador sehr flott - morgen, Sonntag, statt.
Allerdings ist das alles nun wieder um einen Tick zu flott geschehen, denn laut Zeitungsberichten wissen gut 80% der Ecuadorianer gar nicht so wirklich, worums bei der Abstimmung geht (um eine Asamblea Constituyente, ja, aber weiter?). Diese Desinformation betrifft aber noch nicht einmal nur die bildungsschwachen Schichten, sondern sogar eine meiner Kolleginnen meinte zu mir, dass sie im Grunde keine Ahnung hat. Ehrlich gesagt wundert mich das dann doch etwas, denn selbst ich als Ausländer bin halbwegs im Bilde und einen Fernseher hat hier wirklich jede Familie (laut dem Sozialbericht des Vicariats ist die Rate tatsächlich bei 100% und das Kastl läuft, im Schnitt gesehen, 6 Stunden pro Haus pro Tag) - da bin ich als fernsehfrei lebender Mensch noch mehr Exot als in Österreich. Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass die Nachrichten nie näher über den Inhalt der Abstimmung berichtet haben.
Aber zur Erleuchtung für daheim: die zur Frage gestellte Asamblea Constituyente hätte zur Aufgabe, wie der Name schon vermuten lässt, eine neue Verfassung auszuarbeiten. Das passiert hier öfter, gewöhnlich mit mässigem Erfolg. Das letzte mal vor wenigen Jahren, wo am Ende die Zeit zu knapp wurde und dann auf die Schnelle noch eine Verfassung zusammengeschustert wurde die dann auch nicht wirklich besser war, als die vorherige.
Vorteil dieser Versammlung ist, dass sie über Präsident und (vor allem) dem Congreso steht, was gut ist, weil besonders letzterer sich bei vielen Veränderungen quer stellt weil das "wohl"erworbene Rechte (und Besitztümer) der Abgeordneten beschneiden würde. Beispiel dafür: während der argen Wirtschaftskrise kurz vor der Jahrtausendwende gabs Staatsanleihen zu kaufen, die mit irrsinnig guten Zinsen bedacht sind. Im Endeffekt kosten die nun den Staat mehr als sie ihm gebracht haben, man kann die Zinsen aber nicht senken weil - Überraschung! - die meisten dieser Dinge im Besitz von Kongressabgeordneten oder ihren Familien sind.
Nachteil der ganzen Sache ist allerdings, dass es keine wirklich andere Politikerclique gibt, die sich in die Asamblea wählen lassen könnte. Die politische Kultur ist, wie man sich schon denken kann, gänzlich anders hier in Ecuador. Zu Macht kommt man im Grunde nur, wenn man schon Macht hat, also zu einer der wichtigen Familien Ecuadors gehört bzw. wirtschaftliche Macht besitzt (Álvaro Noboa, Correas schärfster Konkurrent bei der Präsidentschaftswahl und mit seinem Bananenimperium einer der reichsten Männer Ecuadors, ist, so sagt der Volksmund, Sohn eines Macheteros, also eines Grasschneiders. Wie weit das wahr ist kann ich nicht beurteilen, er gehört jedenfalls nicht von Geburt an zur Ecuadorianischen Oberliga. Sein Weg dorthin war allerdings jetzt wiederrum vom ethischen Standpunkt auch nicht ganz astrein). Eine andere Möglichkeit zur politischen Karriere wäre noch eine Medienkarriere im Vorfeld, drum sitzen eine ganze Reihe ehemaliger Fussballkommentatoren nun im Congreso. Und da soll noch einer über den Ortlieb oder die Zierler in Österreich lachen (na ja, eigentlich.. lachen kann man trotzdem weiterhin). Jedenfalls gibt's den Typus des schauen Burschen/Mädels, dass sich mit Köpfchen und Ausdauer (oder, für Österreich: schleimen und buckeln) den Weg nach ganz oben in der Partei erkämpft hat, nicht wirklich. Darum sind die einzigen denkbaren Aspiranten für Posten in der Asamblea eh wieder nur Klone der Interessen, die sich im Kongreso, in den Country Clubs und der anderen höheren Kreise Ecuadors finden. Tja..
Also, Abstimmung ist morgen. Prinzipiell kann man mit einem Sí rechnen (wobei die überwältigende Pro-Mehrheit die es zu Anfang gegeben hat inzwischen, nach der einwöchigen Kampagne doch geschrumpft ist). Erste Ergebnisse gibts, angeblich, schon ab Montag. Rechnen würd ich aber nicht damit..
(Und nicht auf die Fotos die ihr mir schicken wolltets vergessen. Dafür gibt's dann morgen oder so ein "Verena mit Kindern"-Bild. Aber nur wenn ich zumindest 2 weitere Photos in meinem Postkastl finde! Andererseits vielleicht spielts die nächsten paar Tage auch gar keine Blogs, weil Heribert bis Mittwoch nach Baños fährt und ich nicht weiss, ob er die tarjeta mitnimmt.)
Allerdings ist das alles nun wieder um einen Tick zu flott geschehen, denn laut Zeitungsberichten wissen gut 80% der Ecuadorianer gar nicht so wirklich, worums bei der Abstimmung geht (um eine Asamblea Constituyente, ja, aber weiter?). Diese Desinformation betrifft aber noch nicht einmal nur die bildungsschwachen Schichten, sondern sogar eine meiner Kolleginnen meinte zu mir, dass sie im Grunde keine Ahnung hat. Ehrlich gesagt wundert mich das dann doch etwas, denn selbst ich als Ausländer bin halbwegs im Bilde und einen Fernseher hat hier wirklich jede Familie (laut dem Sozialbericht des Vicariats ist die Rate tatsächlich bei 100% und das Kastl läuft, im Schnitt gesehen, 6 Stunden pro Haus pro Tag) - da bin ich als fernsehfrei lebender Mensch noch mehr Exot als in Österreich. Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass die Nachrichten nie näher über den Inhalt der Abstimmung berichtet haben.
Aber zur Erleuchtung für daheim: die zur Frage gestellte Asamblea Constituyente hätte zur Aufgabe, wie der Name schon vermuten lässt, eine neue Verfassung auszuarbeiten. Das passiert hier öfter, gewöhnlich mit mässigem Erfolg. Das letzte mal vor wenigen Jahren, wo am Ende die Zeit zu knapp wurde und dann auf die Schnelle noch eine Verfassung zusammengeschustert wurde die dann auch nicht wirklich besser war, als die vorherige.
Vorteil dieser Versammlung ist, dass sie über Präsident und (vor allem) dem Congreso steht, was gut ist, weil besonders letzterer sich bei vielen Veränderungen quer stellt weil das "wohl"erworbene Rechte (und Besitztümer) der Abgeordneten beschneiden würde. Beispiel dafür: während der argen Wirtschaftskrise kurz vor der Jahrtausendwende gabs Staatsanleihen zu kaufen, die mit irrsinnig guten Zinsen bedacht sind. Im Endeffekt kosten die nun den Staat mehr als sie ihm gebracht haben, man kann die Zinsen aber nicht senken weil - Überraschung! - die meisten dieser Dinge im Besitz von Kongressabgeordneten oder ihren Familien sind.
Nachteil der ganzen Sache ist allerdings, dass es keine wirklich andere Politikerclique gibt, die sich in die Asamblea wählen lassen könnte. Die politische Kultur ist, wie man sich schon denken kann, gänzlich anders hier in Ecuador. Zu Macht kommt man im Grunde nur, wenn man schon Macht hat, also zu einer der wichtigen Familien Ecuadors gehört bzw. wirtschaftliche Macht besitzt (Álvaro Noboa, Correas schärfster Konkurrent bei der Präsidentschaftswahl und mit seinem Bananenimperium einer der reichsten Männer Ecuadors, ist, so sagt der Volksmund, Sohn eines Macheteros, also eines Grasschneiders. Wie weit das wahr ist kann ich nicht beurteilen, er gehört jedenfalls nicht von Geburt an zur Ecuadorianischen Oberliga. Sein Weg dorthin war allerdings jetzt wiederrum vom ethischen Standpunkt auch nicht ganz astrein). Eine andere Möglichkeit zur politischen Karriere wäre noch eine Medienkarriere im Vorfeld, drum sitzen eine ganze Reihe ehemaliger Fussballkommentatoren nun im Congreso. Und da soll noch einer über den Ortlieb oder die Zierler in Österreich lachen (na ja, eigentlich.. lachen kann man trotzdem weiterhin). Jedenfalls gibt's den Typus des schauen Burschen/Mädels, dass sich mit Köpfchen und Ausdauer (oder, für Österreich: schleimen und buckeln) den Weg nach ganz oben in der Partei erkämpft hat, nicht wirklich. Darum sind die einzigen denkbaren Aspiranten für Posten in der Asamblea eh wieder nur Klone der Interessen, die sich im Kongreso, in den Country Clubs und der anderen höheren Kreise Ecuadors finden. Tja..
Also, Abstimmung ist morgen. Prinzipiell kann man mit einem Sí rechnen (wobei die überwältigende Pro-Mehrheit die es zu Anfang gegeben hat inzwischen, nach der einwöchigen Kampagne doch geschrumpft ist). Erste Ergebnisse gibts, angeblich, schon ab Montag. Rechnen würd ich aber nicht damit..
(Und nicht auf die Fotos die ihr mir schicken wolltets vergessen. Dafür gibt's dann morgen oder so ein "Verena mit Kindern"-Bild. Aber nur wenn ich zumindest 2 weitere Photos in meinem Postkastl finde! Andererseits vielleicht spielts die nächsten paar Tage auch gar keine Blogs, weil Heribert bis Mittwoch nach Baños fährt und ich nicht weiss, ob er die tarjeta mitnimmt.)
1 Kommentar:
HI,
möcht nur grad meine aufmerksamkeit bekunden, damit du dann auch was über die entwicklung der sache schreibst...
ich wüsst darauf jetzt nämlich net so viel zu antworten
bye
david
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