Ich weiss ja nicht in wie weit in den österreichischen Medien (oder wo sonst die geschätzten Leser sitzen) über ecuatorianische Innenpolitik berichtet wird (im Moment ist wohl eher Bushs Südamerika-Tour und Chávez' Gegenprogramm interessant), jedenfalls schlittert das Land seit etwa einer Woche in eine konstitutionelle Krise.
Angefangen hat das ganze damit, dass Präsident Correa - an und für sich mit der Unterstützung des eigentlich oppositionellen Congreso - eine neue übergeordnete politische Institution schaffen wollte. Das fordert eine Volksbefragung, der der Congreso zunächst einmal zugestimmt hat. Das Tribunal Superior Electoral (TSE), quasi die Oberaufsicht von Wahlvorgängen und der politischen Ordnung, hat aber einige Änderungen im Gesetzesvorschlag gefordert, die Correa zwar unterschrieben hat, aber direkt, ohne den konstitutionell vorgeschriebenen Weg über den Congreso wieder ans TSE weiter gegeben hat. Durch das ausgelöst hat sich ein Kompetenzenstreit zwischen Congreso und TSE entwickelt, der darin gegipfelt hat, dass das TSE 57 Abgeordnete des Congreso entlassen will. Eigentlich ist es ja im Kompetenzbereich des TSE Staatsbedienstete zu entlassen, allerdings dreht sich die Diskussion in den letzten Tagen vor allem darum, ob gewählte Abgeordnete nun Staatsbedienstete sind - für die das TSE verantwortlich ist - oder eben nicht.
Heute morgen war/ist die Sache dann eskaliert, als plötzlich Beamte der nationalen Polizei (hierarchisch nur dem Präsidenten und seiner Regierung unterstehend) im Gebäude des Congreso waren, wo sie eigentlich nichts zu suchen haben, weil es eine eigene zuständige Polizei für den Bereich des Congreso gibt. Und, und das ist noch viel bedenklicher, sie ab einem bestimmten Zeitpunkt die Abgeordneten die in den Congreso wollten einfach nicht hineinliessen. Angeblich kam es dann auch vor dem Congreso zu Schlägereien (oder zumindest physisch aggressivem Verhalten) zwischen Polizei und den Abgeordneten die ins Gebäude wollten.
Und in den Zeitungen fällt meiner Meinung nach einen Tick zu oft das Wort dictatura..
Hmm.. ich halt euch auf dem Laufenden.
Der Vulkan war die letzten beiden Nächte übrigens auch stärker aktiv.
EDIT: So, ich hab das jetzt noch mal genauer nachgelesen - das obige war, was die Besitzerin meiner Sprachschule mir erzählt hat, so weit ichs eben verstanden hab. Also, die Polizei, die da trotzdem nichts zu suchen hatte, wollte die 57 "gefeuerten" Abgeordneten nicht hineinlassen, die wollten aber zum Teil mit aller Gewalt hinein, wobei einer offensichtlich weggestossen wurde, hingefallen ist und sich eine Verletzung zugezogen hat. Daraufhin gings dann von Seiten ihrer Unterstützer (in Ecuador wird schnell demonstriert und gestreikt) los mit Slogans wie asasino (Mörder) und dictatura.
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