Also, wie versprochen, hier die Vorteile des Gringa-Faktors und der Dschungel. Einer der Angestellten/Einrichtungsgegenstände des Hostals in dem ich wohne hat mich Samstags eingeladen, ob ich nicht am Sonntag was mit ihm unternehmen wollte. Dass die Motivation sicherlich nicht rein freundschaftlich war, war mir zwar schon klar, aber nachdem der Typ, der sonst hauptberuflich Touristenführer ist, mir quasi eine gratis Privatführung angeboten hat und allein Ausflüge zu machen auch nicht das sicherste ist, hab ich mal angenommen. Ausserdem, als schon altersmässig fortgeschrittener als die hormongesteuerte Dorfjugend, fand/find ich besagten Hostal-Menschen, Milton, vertrauenswürdiger.
Wie auch immer...
Wir haben uns am Samstag drauf geeinigt in den Dschungel zu fahren, allein schon aus dem Grund weil das von den Optionen (neben zwei Bergbesteigungen) die war, die am absolut neuesten für mich war. Also ging's um 7 in der Früh los (grad, wo ich dabei bin meinen Jet-Lag zu überwinden). In einem Pick-Up gemeinsam mit einer guayacilenischen upper-class 3-Generationen-Frauen Runde. [Mama, du springst jetzt zum nächsten Absatz weiter, die anderen, sorgenfreien, können weiterlesen.] Nachdem die 4 Guayacileñas, die die eigentlichen Pick-Up/Chauffeur-Mieter waren und wir uns nur in die Fahrt reingedrängt hatten, vorne sassen, haben Milton und ich es uns hinten auf der - wenigstens geschlossenen - Ladefläche gemütlich eingerichtet. Und so gings erst einmal durch zumindest 6 unbeleuchtete, ungestützte Tunnel (bei einem "regnete" es drinnen durchs Sickerwasser sogar) nach El Puyo, die Hauptstadt der benachbarten Provinz, wo gerade - wie jeden Sonntag - Markt war.
Der [für Mama: Markt in El Puyo] war schon von den regulären Waren her recht beeindruckend. Ausserdem wurde aber auch Lebendgetier verkauft. Fische und... Maden. Daumendicke Maden. Lebend. Sich windend. Eine Spezialität der indigenen Bevölkerung. Und weil Milton, der eine Zeit lang mit Indígenas gelebt hat wohl jemanden beeindrucken wollte (in dem Fall eher die guayacileñischen Mädels, die emotionaler reagiert haben), hat er so ein Viech lebend und vollständig gegessen. Brr... Mir war dann die Guave doch lieber.
Nachdem die Einkäufe und das Angeben erledigt waren ging's weiter hinunter in den Oriente. Während rundherum die Natur immer dschungliger wurde verendeten zu meinen Füssen 8 Fische in einem Plastiksack (Mittagessen in Futur I). Frischer geht's ja nicht mehr. Aber trotzdem..
Jedenfalls.. als ersten Stop gings in eine kleine Indígena-Siedlung wo's vor allem um den Verkauf von Ethno-Dingen ging. Aber unter anderem hatten die da auch Achote, eine Pflanze mit stark rotgefärbtem Saft, und ehe ich mich versah hatte ich Kriegsbemalung im Gesicht und ein 2 Meter langes Blasrohr in der Hand. Und was wär ich nicht für eine Indígenia. Mit dem ersten Versuch hab ich schon das Ziel (einen Karton) getroffen. Und wie attraktiv ich mit der Farbe im Gesicht ausseh. Aber, nachdems im Regenwald - Überraschung! - geregnet hat, hab ich mir die Farbe draussen gleich wieder abgewaschen. So attraktiv wars dann doch wieder nicht.
Danach sind wir weiter in das "Basislager" der Tagesausflügler, wo ersteinmal Mittag gegessen wurde. Suppe mit Kochbananen und ziemlich ausserirdisch aussehendem Gemüse von dem niemand den Namen wusste, zum Beispiel. Und Fische in Bananenblättern gekocht, was eine der chicas guayacileñas zu extensiven Ekelbekundungen motivierte.
Danach fing dann der Spass erst richtig an. In Gummistiefeln ging's auf einem engen Pfad (und durch seichte Flüsse) durch den Dschungel. Alle paar Minuten hat Milton dann von einer der Pflanzen erklärt zu welchen Heilzwecken man sie verwenden kann und irgendwann zwischendurch hab ich Ameisen gegessen. Schmecken übrigens nach Zitrone, was aber an der Pflanze liegt, in der sie parasitäre Knollen gebildet haben. Ausserdem haben wir einmal mehr Zeug ins Gesicht geschmiert gekriegt, und zwar einen speziellen Ton, der angeblich unheimlich gut für die Haut ist und in Quito um 20 $ die Handvoll verkauft wird. In gewisser Weise hat er dann seine Schutzfunktion auch erfüllt, denn es hat, einmal mehr, wie aus Schaffeln geregnet, dass Regenschutz ziemlich bald völlig obsolet geworden ist. Der Atmosphäre wegen haben wir aber trotzdem einen Teil des Weges mit natürlichen Regenschirmen (also: riesigen Blättern) zurückgelegt.
Alles in allem ein ziemlich beeindruckender Trip - und es hilft einen Langzeitfreund daheim zu erfinden um Distanz zu wahren. ;)
2 Kommentare:
Horay for blogs!
da ich net wirklich weis, was ich zu dem blog schreiben soll, auser ausführliche neidbekundungen, möcht ich dir hiermit nur das gefühl geben, dass deine ergüsse gierig gelesen werden :)
david
Wow! Wahnsinns Fotos, ich bin beeindruckt und ebenso neidisch wie David *g*
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