Samstag, 30. Juni 2007

Ach du heilige Festtagsstimmung

(Das ganze wurde Freitags geschrieben, ich kam nur nicht zum Posten)

Jetzt geht hier aber die Post ab. Da die hiesigen Schutzpatrone San Pablo y Pedro ins Haus stehen putzt sich der ganze Ort für die Feierlichkeiten raus. Das heisst: weg mit der Besinnlichkeit, fort von der Kirche und ab in die Salons. Salons sind in dem Fall improvisierte Diskos/Bars die im Moment im ganzen carbensischen Zentrum aus dem Boden spriessen. Begleitet wird das ganze von gut über hundert Standlern (bei denen man von Kleidung über Töpfe über die obligaten Raubkopierten DVDs bis zum Plüschtiger alles bekommt) und Musik in der Lautstärke von zumindest 3 Autsch (mit einem "Autsch" als die Lautstärkeneinheit wo's zum ersten mal Wehzutun beginnt). Jedenfalls wird jetzt drei Tage lang der Durchnittspromillegehalt des carbensischen Bluts sprunghaft ansteigen. Und die Besoffenenquote war schon zu Muttertag (!!) irre. Erinnert mich irgendwie an den Saint Jean Baptiste in Québec wo trotz (bis vor kurzem) völlig durchkatholizierter Bevölkerung der Tag des Schutzheiligen vor allem ein Tag des kollektiven Besaufens ist.

Zum Abschluss gibt's dann Sonntag noch einen hübschen Umzug mit den versammelten Trommelkappellen der hiesigen Schulen, Tanz und geschmückten Wagen. Für letzteren des CRESEMs darf ich im moment meine kreativen Energien ausleben und lustig-bunte Bote, Pedro-Carbo-Busse und anderes Landschaftszeug malen. (Samstags Edit: die Busse hat dann doch Lukas gemalt, dafür hab ich dann Freitag Nachmittag gut 4 Stunden Caña-Hütten, Viecher, Betrunkene in Hängematten und ein ziemlich gelungenes naives Pedro Carbo gemalt. Künstler ich, olé!)

A propos Heilige: Wie man im laizistsichen Österreich bestimmt mit atemloser Spannung verfolgt hat wurde kürzlich Narcisa de Jesús, eine Jahrhundertwende-Nonne aus dem nahegelegenen Ort Nobol (obwohl ihre eigentliche Wirkungsstätte in Peru lag), heilig gesprochen. Übrigens für das Wunder, dass die einem achtjährigen Mädchen mit unentwickelten Geschlechtsteilen zu einer voll fuktionsfähigen Vagina verholfen hat. Da kann Krampfader-Karli aber einpacken. In so fern kann ich ja hoffen, dass in Zukunft die Tricis der Asociación Narcisa de Jesús eher von Unfällen verschont werden, bei so einer Heiligen.

Übrigens, für die Kategorie "Dinge die mich eigentlich bislang noch nie beschäftigt haben": Eine handelsübliche ecuadorianische Gelse kann weit über eine Woche in einem abgedeckten Glas mit nichts als einem langsam vor sich hin schimmelnden Teebeutel überleben. Schwer faszinierend, oder?

(Hier fängt der Samstagteil an:) Und dann noch etwas zu ecuadorianischer Lebensgestaltung. Schon Anfang des Monats haben meine Kindergartenkolleginnen den Plan gehegt, dass wir heute gemeinsam nach Guayaquil Fahren um, sozusagen, einen draufzumachen (Weil wir aber in Ecuador und sie Mütter sind, sähe das folgendermassen aus: um halb neun Morgens los, ein bisschen am Malecón bummeln, gute Essen gehen und dann wieder heim zur Familie). Das ganze ist jetzt aus dem Grund ins Wasser gefallen, weil das Gehalt aufgrund administrativer Verzögerungen erst nächste Woche ausbezahlt wird. Das Ganze ist insofern erwähnenswert, weil es den typischen ecuadorianischen Umgang mit Geld sehr schön illustriert. Es kann zwar wochenlang das Ausgeben von Geld geplant werden, ein paar Wochen Geld zu sparen ist aber ein Ding der Unmöglichkeit. Insofern verständlich warum wir Austriacos das letzten Sonntag ziemlich witzig gefunden haben, als ein ambulanter Verkäufer tatsächlich Sparschweine verkauft hat.

Ja, und das Volkstanzvideo ist nun auch online. Und bitte nicht das wirklich geile Panoramabild auf Stefans Seite übersehen das als letztes in der aktuellsten Photosektion ist.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

gibts in pedro cabo leicht auch ein riesenrad? schaut irgendwie so aus am foto.

Anonym hat gesagt…

ja, richtig erkannt. im moment ist nämlich grad jahrmarkt in pedro carbo.