Sonntag, 17. Juni 2007

Eine Busfahrt die ist lustig...

Meine dieswochenendliche Fahrt nach Baños (Ja, schon wieder. Hat seine Gründe.) hat diesmal wirklich fast alle Eventualitäten der versuchten Fortbewegung in Südamerika mit sich gebracht. Aber mir andererseits auch gezeigt, dass ich mich wohl wirklich eingelebt hab, denn nichts davon hat mich auch nur im Geringsten aufgeregt.
Und dabei hat alles so gut angefangen mit einem flotten Bus nach Guayaquil, dort aber am Terminal ging der Verzögerungsreigen los. Erst mal kam der Bus 20 Minuten zu spät, aber dass das die Ecuadorianerin neben mir wirklich beunruhigt hat, fand ich schlussendlich eher erstaunlich als bedenklich.
Aber irgendwann kam er ja schliesslich und los ging's.. kurz. Dann war Polizeikontrolle bei der alle Männer hinauszitiert wurden, eher lieblos die Rucksäcke durchsucht wurden (mit einer Sorgfalt die selbst 3 unverkleidete Kilo Kokain durchgehen hätte lassen) und wir 30 Minuten später wieder auf den Weg geschickt wurden. Durch Nebel und Regen hat sich der Bus dann weiter seinen Weg bergauf Richtung Ambato gekämpft wo ich trotz frühem Aussteigen an der optimalsten Stelle mit neuer Schlimmstzeit angekommen sind.
Aber dort ging der Spass erst richtig los, denn in 15 Minuten Warten kam kein einziger Bus Richtung Baños vorbei, die da eigentlich normal wie am Schnürl aufgefädelt vorbeiparadieren. Zwei ebenfalls an der Stelle wartende bañenser Jugendliche murmelten schon was von "Schlammabgang" und "keine Busse", als ganz unverhofft Glücksengerl 1 an dem Wochenende gewunken hat, ein Taxi stehen geblieben ist und uns für 5 $ die Fahrt angeboten hat - normal würd der Spass 15 $ kosten aber der Fahrer war ebenfalls aus Baños und am Heimweg. Und nachdem wir ohnehin 5 Wartende waren haben wir uns gemütlich zusammengequetscht und im Endeffekt pro Nase nicht mehr als für den Bus gezahlt. Richtig interessant wurde es dann aber erst kurz vor Baños, denn tatsächlich gab's - mal wieder - heftige Schlammabgänge vom Tunguruaha, eine üble Mischung von Asche und Dauerregen um die Spitze herum, die die Strasse weitgehend blockiert haben. Die überraschend freundliche, mit Aufräumarbeiten beschäftigte Polizei hat uns dann aber gleich durchgewunken und so rumpelten wir über Schlamm, Steine und Bäche Richtung Baños auf dessen Seite ein gut 1.5 km langer Stau darauf wartete ebenfalls durchgelassen zu werden (ob die Strasse dann überhaupt für die Nacht nochmal aufgemacht wurde weiss ich nicht, am folgenden Tag war sie jedenfalls den ganzen Nachmittag gesperrt - ohne Ausweichmöglichkeit). Das war die Hinfahrt...

Für die Rückfahrt hab ich mich dann aus zweierlei Bedenken gegen die Nachtfahrt entschieden. Zum einen war nicht klar ob die schon Donnerstags verschlammte Strasse Nachts frei wäre (geräumt wird nämlich nur tagsüber) und andererseits ist gerade in Guayaquil ein Gerangel über die Zufahrt zum Terminal Terrestre weswegen viele Busse nicht zum Endstation fahren sondern im 10 km entfernten Durán umdrehen - wo aber meine Anschlussbusse eben nicht sind. Und weil ich da nicht um 5 Uhr morgens landen wollte...
Wiedemauchsei bin ich dann eben um ein Uhr nachmittags los und hatte das zweifelhafte Glück neben einem wirklich wahnsinnig, wahnsinnig gesprächigen Ecuadorianer zu landen, der mir schon in den ersten 2 Stunden sein gesamtes Leben inklusive zweier Marienwunder erzählt hat, danach hat er allerdings begonnen von freundlichem Gespräch auf Angraben zu wechseln - ungeachtet dessen, dass seine Kinder in meinem Alter sind - worauf ich dann bei der nächstbesten Gelegenheit eine Reihe weiter nach hinten gewechselt hab. (weil ich da besser versuchen konnte "zu schlafen")
Soweit verlief dann die Fahrt bis kurz vor Guayaquil ereignislos und erst in Durán ging's typisch südamerikanisch weiter. Denn tatsächlich durfte gar kein Bus aus nördöstlicher Richtung mehr nach Guayaquil rein und ohne ein Wort des oficials (Busbegleiters) wurde dort einfach umgedreht. Nachdem das die meisten Insassen nicht wussten hat zu dem Zeitpunkt ein hektisches Aufspringen eingesetzt, leider halt zu spät weil der Stop bei dem man nicht die ungeregelte 10 spurige Strasse überqueren musste um auf der richtigen Seite Richtung Guayaquil zu stehen genau vor dem Umdrehen war.
Ja, grad als ich kurz vor der Kippe zum leicht verloren sein war hat sich dann mein vorheriger Sitznachbar meiner angenommen und mir ein Taxi zum Terminal Terrestre spendiert und sogar noch dafür gesorgt, dass ich einen Bus nach Pedro Carbo find, obwohl ich zu dem Zeitpunkt schon wieder voll orientiert war. Aber damit nicht genug...
Im Bus nach Pedro Carbo hatte ich nämlich einmal mehr eine Sitznachbarin mit Kommunikationsbedarf (und Marienwundern), allerdings ganz anders als im Bus von Baños. Und zwar eine, laut eigenen Angaben, 90-jährige Pedro Carbenserin die gleich nachdem ich mich hingesetzt habe meinte ich soll ihr einen Dollar geben, weil sie ist arm und ich als "Gringo Mister" ja nicht. Das alles aber in einem Tonfall der im besten Fall frech zu nennen ist. Danach hat sie dann begonnen von den Gringos in Pedro Carbo zu erzählen wobei ich von ihrem costeñeschen, teilweise zahnlosen Nuscheln bestenfalls ein Drittel verstanden hab und jedenfalls ihre Gschichtln nicht mit meinem Wissen über die Geschichte der Gringos in PC in Verbindung bringen konnt. Ausserdem hat sie mich in einer Tour Mister genannt. Von Wundern hat sie mir dann auch noch erzählt, aber das war irgendwie passend, nachdem sie sich zu Anfang der Fahrt 5 Minuten lang durchgehend bekreuzigt hat. Und so hab ich dann, unversetzbar und unter mitleidigen Blicken der daneben sitzenden Ecuadorianerinnen die restliche Fahrt mit "aja", "¿sí?" und "¿mande?" rumgebracht.
Und trotz allem war die Rückfahrt mit gerade mal 7.5 Stunden Fahrtzeit meine neue Baños-PC Bestzeit.

2 Kommentare:

Cat hat gesagt…

wow. eigenartig. ^^

Anonym hat gesagt…

Hi,

ich beneid menschen ja darum, wenn sie irgendwie was erleben, auf irgendwelchen zug oder busfahrten. ich hab immer das glück auf total öden plätzen zu landen, wo die sitznachbarn so garnichts können... meist schlafen sie nur, oder reden net, oder sind einfach so von kopf bis fuss schon langweilig...

hab erst zweimal interresante meschen kennen gelernt, beim reisen...

bye
david