Sonntag, 24. Juni 2007

Da muss erst ein Ozean dazwischen kommen dass ich folkloristisch österreichisch werd

Ereignisreiches Wochenende bisher. Nicht nur, dass sich nach langen Wochen das Projekt: Caña-Couch mit einem mit Baumwolle gestopften Sitzbezug - selbstverständlich auch völlig selbstgemacht - langsam dem Ende zuneigt (bislang war darauf sitzen, obwohl formschön und wahnsinnig dekorativ, langfristig schmerzhaft für Rücken und Sitzfleisch) haben wir versammelten Auslandösterreicher auch ein bisschen Folklore auf den Pedro Carbensischen Hauptplatz gebracht. Es war nämlich so, dass heute eine grosse Rifa (Verlosung) einer Wasserpumpe von CAAM und Nuevo Sol (der zugehörigen Frauenorganisation) war, um Geld für den Bau des neuen Zentrums herzuschaffen. Und weil nur Los ziehen ein bisschen langweilig ist musste ein Show-Programm rundherum her für das Manuel unter anderem die grandiose Idee hatte, dass wir ein bisschen Volkstanz machen. Gab nur ein Problem: keiner hatte das jemals wirklich gemacht.
Also haben wir dann gestern Nacht - so früh ist er nämlich mit der Idee gekommen - bei viel Ecuador libre (Caña Schnapps und Cola) und Bier eine Choreographie erfunden, die wir dann ganz frech als traditionellen österreichischen Volkstanz zu verkaufen beabsichtigten. Aber, so im Grunde genommen haben die Figuren schon irgendwie übereingestimmt mit vagen Erinnerungen die wir so vom österreichischen Kulturgut hatten. Jedenfalls haben wir dann nach dem ersten funktionierenden Durchlauf gesagt dass das jetzt so passt und sind zum Vergessen allen Polka-Humptas (das Niko nach gut 2 Stunden Dauerbeschallung schon in den Wahnsinn getrieben hat - aber vielleicht fand er's auch nur plötzlich keine so tolle Idee mehr, dass er aus Frauenmangel für eine solchige beim Tanzen einspringen musste), also zum Vergessen allen Polka Humptas sind wir dann noch für 3 lange Stunden zu Salsa und Raggaetón in die örtliche Dorfdisko. Gedacht hat da keiner mehr daran, dass die Rifa ja eigentlich schon um 10 am nächsten Tag ist.
Dementsprechend übernachtig haben sich dann auch alle heut morgen im CAAM eingefunden, wo grad eine klassische "Vergiss niemals: du bist in Ecuador!"-Info hereinkam (in Form von Manuel am Radl) - trotz seit Wochen vorliegender Erlaubnis im Pedro Carbensischen Stadtpark die rifa abzuhalten war der nämlich geschlossen weil er gerade frisch gestrichen wurde (also, nicht der Park, aber seine Mauern). Das hiesige Municipio hat nämlich eine Koriphäe der Kompetenz im Sekretariat sitzen, die prinzipiell mal für so gut wie alles Nutzungserlaubnissen ausstellt, ohne auch nur eine Sekunde darauf zu verschwenden nachzusehen, ob dass denn auch überhaupt geht. Nach langer Diskussion wurde dann wenigstens erlaubt, dass der DJ seine (fette) Anlage - ohne sowas geht hier nämlich gar nichts, kein improvisiertes Fussballturnier und schon gar keine angekündigte rifa, Lautstärke ist nämlich gleich Qualität - in den Park reinstellen durfte während die rifa selbst auf dem Gehsteig und hineinragend in die Hauptstrasse stattfinden würde. Der DJ hat übrigens seinen Stom daher bezogen, dass er auf den nächstbesten Strommast gekraxelt ist und sich mit einem Haken-Kabel eingehängt hat. Klassisch ecuadorianisch.

Und so ging's dann um 11 langsam los (unter zahlreichem augenberingten Seufzen, dass man da ja wirklich noch eine Stunde mehr schlafen hätte können). Während die ohrenbetäubend laute Musikbeschallung und Präsentation der rifa eher noch wenig Leute anlockten hat dann das lustige Promo-Rumgehupse der lustig angezogenen Gringos (insbesonders Niko im Rock und mit Zöpfchen) zu Reggaetón dann schon wesentlich mehr Zuseher angezogen, die dann auch brav noch weitere Lose gekauft haben. Dazwischen hat dann Jhonny, in seinem anderen Brotberuf Torwächter und Herr über die wo-ist-der-...?-Auskunft im Colegio Austriaco, auch noch ein paar Lieder gesungen und sich damit als einer der ganz wenigen Ecuadorianer die nicht nur laut sondern auch gut singen können präsentiert. (Ecuador-Info: Bezahlt werden dafür ein Ständchen oder ein paar Lieder bei einer Veranstaltung zu singen ist ein lukrativer und weitverbreiteter Job für die dies können - solche Ständchen werden auch wesentlich öfter spendiert als in Österreich. ZB um 3 Uhr nachts am Muttertag.. äh.. Mutternacht)

Ja, danach, und einige marktschreierisch-erfolgreiche "Kaufts Lose, Verdammt!"-Durchsagen später kam dann unser grosser Auftritt. Unter eher faden Gsichtern aber leicht lauterem Applaus als für Jhonny zuvor (das Publikum war zwar zahlreich aber eher ein bissl schaumgebremst) haben wir dann unseren Tanz abgespult der sogar nur 2 Anläufe gebraucht hat um richtig zu klappen und den wir als Zugabe 10 Minuten (und 20 verkaufte Lose) später nochmal wiederholen durften - diesmal sogar quasi Fehlerfrei. Es ist zumindest niemand in den anderen reingelaufen. (Und nicht vergessen, wir waren alle übernachtig und ein bisserl verkatert.)
Danach wurde dann schliesslich die Booooomba de agua (Wasserpumpe) verlost und ging an einen glücklichen Gewinner, der ein Gesicht gezogen hat als hätt er gerade seine Grossmutter verloren. Aber vielleicht hat er sich auch nur gedacht wie zum Teufel er denn nun dieses schwere Scheissding nach Hause bringen soll.

Das wars und... es gibt einen Film vom Tanzen... aber pssst!

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

gibts davon fotos (oder gar videos)?
papa

Cat hat gesagt…

film! film! sehen! dringend!

und: lustig! hehe.

ja, ich kann auch ohne rufzeichen sprechen, manchmal. (;