Letzes Wochenende: Quito.
Zum Teil ist es kaum zu glauben, dass die ecuadorianische Hauptstadt noch zum selben Land gehört wie Pedro Carbo oder Guayaquil oder irgendeinem Teil der Costa. Dort wirkt alles anders: das Aussehen der Leute, die Art der Leute, die Landschaft, natürlich. Und das Klima erst recht. Aber vielleicht bedingen gerade die letzten beiden Dinge das Verhalten. Und vielleicht liegt's auch daran, dass unser quiteño'scher Anknüpfungspunkt alles Leute aus der Mittelschicht mit gewissem Bildungshintergrund waren und die Gegenden in die wir kamen somit nicht zwingend statistisch repräsentativ waren. (Andererseits - Andis Cousinen, sozusagen unsere Guayaquil-connection, haben auch ähnliche soziale Hintergründe aber sind.. na ja.. costeñas halt. Also Mädels von der Küste - bös gesagt: naive intellektuelle Leichtgewichte mit widersprüchlich erscheinenden Moralvorstellungen)
Jedenfalls, während mir an der Costa vieles oft sehr gedämpft, desinteressiert, fast schon lethargisch vorkommt - sicher oft ein Nebenprodukt der schwülen Hitze die mich manchmal auch einen Gutteil meiner Motivation kostet - wirkt Quito auf eine viel bewusstere Art lebendig, ganz im Gegensatz zur sehr fahrigen Lebendigkeit die Guayaquil halt zwangsläufig durch seine grosse Menge an Einwohnern bekommt. Ich kann auch nicht genau definieren woher der Eindruck kommt, aber ich glaub es liegt vor allem in den Augen der Leute, die nicht mit einem gewissen Leiden im Blick das Kommen von angenehmeren (Abend)Stunden erwarten, sondern auch der Gegenwart etwas abgewinnen können und aktiv wollen. Ein bisschen liegt der Eindruck vielleicht aber auch an der Sprache, die ist in der Sierra nämlich unglaublich klar und gut verständlich während das Spanisch der Costa vor allem eins ist: völlig schlampig. Da wird genuschelt und verschluckt was nur geht - als ob schon das Aussprechen der letzten Silbe eines Wortes eine kaum zumutbare Anstrengung darstellen würde. Also fast schon andalusische Verhältnisse, nur dass nicht gezuzelt wird. Und schliesslich kommt wohl noch dazu, dass die Sierra der Costa in Punkto Schulwesen um mehr als 70 Jahre in der Entwicklung voraus ist...
(An dieser Stelle muss ich natürlich erwähnen, dass nicht alle Menschen der Costa dem beschriebenen Stereotyp entsprechen, das ist alles mehr ein Eindruck der vom Strassenbild, den Menschen in den Bussen usw. geprägt worden ist. Aber dass der - wenn auch langsame - Fortschritt Ecuadors fast ausschliesslich von der Sierra ausgeht ist halt nun mal leider auch Fakt.)
Überraschend wie erfreulich war dann für mich, dass es in Quito tatsächlich librerias gibt, die nicht Papierhandlungen mit ein paar Alibibüchern sind, sondern tatsächliche, richtige Buchhandlungen (mit allerdings den typisch gesalzenen ecuadorianischen Buchpreisen).
Neben dem Eindruck den ich von den Leuten bekommen habe war aber auch sonst das ganze Wochenende wie ein Ausflug in eine ecuadorianische Parallelwelt: Filmnachmittage in Studenten-WG-Häusern, polierte Einkaufszentren, dekadentes Abendessen mit Lachs und Brie aus dem Riesen-Supermarkt (vs. Gitter-Tienda* in PC), Alternative-Diskos mit Szenegängern die selbst in Österreich nicht herausgestochen wären, hübsche, an Italien erinnernde Palmen-Boulevards und so gut wie keine bis an die Zähne bewaffnete Securities - sondern "Hippy"-Securities die mit der Gitarre, statt dem MG, vor dem zu bewachenden Haus sitzen. Das mit den Securities war aber möglicherweise Zufall, denn eigentlich ist Quito auch nur geringfügig sicherer als Guayaquil.
Und ausserdem: unter 20 Grad! Zwanzig!! Zwan-zig!!! Wahnsinn... Ich wusste gar nicht wie sehr ich es vermisst habe einen Tag lang nicht zu schwitzen.
Was sich sonst noch getan hat: Auf den Pichincha ist niemand gestiegen, dafür haben sich Bernhard und Niko gleich die über 5000 Meter des Iliniza Norte angetan - und im Gegensatz zu Lukas, Stefan und mir die im verregneten Quito waren hatten sie richtiges Glück mit dem Wetter gehabt. (Wahnsinnsphotos...)
Montag Morgen wurde mir dann so im Vorübergehen vom Vizerektor gesagt, dass sich die Englischstundenpläne schon wieder geändert hätten, und ich jetzt doch wieder 3 Gruppen hätte (inklusive der, die ich erst letzte Woche wegdiskutiert hatte). War dann aber doch nicht so arg wie es zuerst geklungen hatte, da dafür meine bisherigen zwei Gruppen zu einer fusioniert wurden und ich jetzt schlussendlich auch nicht mehr Stunden als vorher hab, nur unregelmässiger verteilt. Und im Grunde ist meine neue Gruppe eh toll, denn im Gegensatz zur Decimo die ich seit letzter Woche unterrichte, haben die Burschen und Mädels der QuiBio-Gruppe ein bisschen mehr am Kasten. Sie wissen zwar nicht unbedingt mehr, aber sie checken schneller. Aber das würde jetzt alles zu weit führen...
Morgen verlässt mich übrigens Heribert für die nächsten 3 1/2 Wochen um durch Österreich zu touren. Ich für meinen Teil werde morgen die ecuadorianische Bürokratie herausfordern und versuchen mein Visum zu verlängern. Wünscht mir Glück.
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*Gitter-Tienda (deutsch-spanischer Slangausdruck, Verbreitung: max. 10 Personen) - kleiner Laden mit sehr variablem Sortiment das sich für gewöhnlich um Lebensmittel und andere kleine Dinge des täglichen Bedarfs dreht. Die Waren werden nur durch ein Gitter in einem Fenster oder Tür, das vermutlich der Sicherheit des Verkäufers dient, gereicht. Der Warenlager-/Verkaufsbereich ist oft direkt im Anschluss an die Wohnräume.
Zum Teil ist es kaum zu glauben, dass die ecuadorianische Hauptstadt noch zum selben Land gehört wie Pedro Carbo oder Guayaquil oder irgendeinem Teil der Costa. Dort wirkt alles anders: das Aussehen der Leute, die Art der Leute, die Landschaft, natürlich. Und das Klima erst recht. Aber vielleicht bedingen gerade die letzten beiden Dinge das Verhalten. Und vielleicht liegt's auch daran, dass unser quiteño'scher Anknüpfungspunkt alles Leute aus der Mittelschicht mit gewissem Bildungshintergrund waren und die Gegenden in die wir kamen somit nicht zwingend statistisch repräsentativ waren. (Andererseits - Andis Cousinen, sozusagen unsere Guayaquil-connection, haben auch ähnliche soziale Hintergründe aber sind.. na ja.. costeñas halt. Also Mädels von der Küste - bös gesagt: naive intellektuelle Leichtgewichte mit widersprüchlich erscheinenden Moralvorstellungen)
Jedenfalls, während mir an der Costa vieles oft sehr gedämpft, desinteressiert, fast schon lethargisch vorkommt - sicher oft ein Nebenprodukt der schwülen Hitze die mich manchmal auch einen Gutteil meiner Motivation kostet - wirkt Quito auf eine viel bewusstere Art lebendig, ganz im Gegensatz zur sehr fahrigen Lebendigkeit die Guayaquil halt zwangsläufig durch seine grosse Menge an Einwohnern bekommt. Ich kann auch nicht genau definieren woher der Eindruck kommt, aber ich glaub es liegt vor allem in den Augen der Leute, die nicht mit einem gewissen Leiden im Blick das Kommen von angenehmeren (Abend)Stunden erwarten, sondern auch der Gegenwart etwas abgewinnen können und aktiv wollen. Ein bisschen liegt der Eindruck vielleicht aber auch an der Sprache, die ist in der Sierra nämlich unglaublich klar und gut verständlich während das Spanisch der Costa vor allem eins ist: völlig schlampig. Da wird genuschelt und verschluckt was nur geht - als ob schon das Aussprechen der letzten Silbe eines Wortes eine kaum zumutbare Anstrengung darstellen würde. Also fast schon andalusische Verhältnisse, nur dass nicht gezuzelt wird. Und schliesslich kommt wohl noch dazu, dass die Sierra der Costa in Punkto Schulwesen um mehr als 70 Jahre in der Entwicklung voraus ist...
(An dieser Stelle muss ich natürlich erwähnen, dass nicht alle Menschen der Costa dem beschriebenen Stereotyp entsprechen, das ist alles mehr ein Eindruck der vom Strassenbild, den Menschen in den Bussen usw. geprägt worden ist. Aber dass der - wenn auch langsame - Fortschritt Ecuadors fast ausschliesslich von der Sierra ausgeht ist halt nun mal leider auch Fakt.)
Überraschend wie erfreulich war dann für mich, dass es in Quito tatsächlich librerias gibt, die nicht Papierhandlungen mit ein paar Alibibüchern sind, sondern tatsächliche, richtige Buchhandlungen (mit allerdings den typisch gesalzenen ecuadorianischen Buchpreisen).
Neben dem Eindruck den ich von den Leuten bekommen habe war aber auch sonst das ganze Wochenende wie ein Ausflug in eine ecuadorianische Parallelwelt: Filmnachmittage in Studenten-WG-Häusern, polierte Einkaufszentren, dekadentes Abendessen mit Lachs und Brie aus dem Riesen-Supermarkt (vs. Gitter-Tienda* in PC), Alternative-Diskos mit Szenegängern die selbst in Österreich nicht herausgestochen wären, hübsche, an Italien erinnernde Palmen-Boulevards und so gut wie keine bis an die Zähne bewaffnete Securities - sondern "Hippy"-Securities die mit der Gitarre, statt dem MG, vor dem zu bewachenden Haus sitzen. Das mit den Securities war aber möglicherweise Zufall, denn eigentlich ist Quito auch nur geringfügig sicherer als Guayaquil.
Und ausserdem: unter 20 Grad! Zwanzig!! Zwan-zig!!! Wahnsinn... Ich wusste gar nicht wie sehr ich es vermisst habe einen Tag lang nicht zu schwitzen.
Was sich sonst noch getan hat: Auf den Pichincha ist niemand gestiegen, dafür haben sich Bernhard und Niko gleich die über 5000 Meter des Iliniza Norte angetan - und im Gegensatz zu Lukas, Stefan und mir die im verregneten Quito waren hatten sie richtiges Glück mit dem Wetter gehabt. (Wahnsinnsphotos...)
Montag Morgen wurde mir dann so im Vorübergehen vom Vizerektor gesagt, dass sich die Englischstundenpläne schon wieder geändert hätten, und ich jetzt doch wieder 3 Gruppen hätte (inklusive der, die ich erst letzte Woche wegdiskutiert hatte). War dann aber doch nicht so arg wie es zuerst geklungen hatte, da dafür meine bisherigen zwei Gruppen zu einer fusioniert wurden und ich jetzt schlussendlich auch nicht mehr Stunden als vorher hab, nur unregelmässiger verteilt. Und im Grunde ist meine neue Gruppe eh toll, denn im Gegensatz zur Decimo die ich seit letzter Woche unterrichte, haben die Burschen und Mädels der QuiBio-Gruppe ein bisschen mehr am Kasten. Sie wissen zwar nicht unbedingt mehr, aber sie checken schneller. Aber das würde jetzt alles zu weit führen...
Morgen verlässt mich übrigens Heribert für die nächsten 3 1/2 Wochen um durch Österreich zu touren. Ich für meinen Teil werde morgen die ecuadorianische Bürokratie herausfordern und versuchen mein Visum zu verlängern. Wünscht mir Glück.
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*Gitter-Tienda (deutsch-spanischer Slangausdruck, Verbreitung: max. 10 Personen) - kleiner Laden mit sehr variablem Sortiment das sich für gewöhnlich um Lebensmittel und andere kleine Dinge des täglichen Bedarfs dreht. Die Waren werden nur durch ein Gitter in einem Fenster oder Tür, das vermutlich der Sicherheit des Verkäufers dient, gereicht. Der Warenlager-/Verkaufsbereich ist oft direkt im Anschluss an die Wohnräume.
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